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Wenn du jemandem erzählst, dass du Judo treibst, bist du ein
Anfänger. Wenn du gar damit prahlst, wirst du es immer bleiben.

Judo Prinzipien

1. Prinzip der größtmöglichen Wirkung: Dieses Prinzip gilt für die körperlichen und geistigen Kräfte. Es soll hier nicht Kraft gegen Kraft gesetzt werden, da so nur die Kräftigere

gewinnen würde, sondern es soll die Kraft, die die Partner(in) mit einbringt, für die Technik genutzt werden. Also ziehe, wenn du gestoßen wirst und stoße, wenn du gezogen

wirst. Dies ist sehr simpel ausgedrückt. Aber trotz der unterschiedlichsten Wurftechniken, ist bei einem schönen Kampfwurf dieses Prinzip zu erkennen.

2. Prinzip vom gegenseitigen Helfen und Verstehen: D.h., beim Üben habe ich keine Gegner(in), sondern eine Partner(in). Beide versuchen, sich gegenseitig zu fördern, sie

machen auf Fehler aufmerksam, um so den Fortschritt der Partner(in) mitzutragen. Judo kann man nicht alleine üben. Man ist immer auf eine Partner(in) angewiesen, die es

einem ermöglicht, an den Techniken zu wachsen.

Jigoro Kano wollte ein System schaffen, das Körper und Geist trainiert. Er wünschte sich, dass die Menschen, die einmal mit Judo begonnen hatten, es ihr Leben lang üben

können sollten. Weiterhin sollte es in seinem System möglich sein, nach strengen Regeln mit diesem Zweikampfsport Wettkämpfe zu bestreiten.

Graduierung
Mudansha = Schüler-(Kyu-) Grade

9. Kyu = weißer Gürtel

8. Kyu = weiß-gelber Gürtel

7. Kyu = gelber Gürtel

6. Kyu = gelb-orange Gürtel

5. Kyu = orange Gürtel

4. Kyu = orange-grüner Gürtel

3. Kyu = grüner Gürtel

2. Kyu = blauer Gürtel

1. Kyu = brauner Gürtel

Yudansha = Meister-(Dan-)Grade

1. Dan - 5. Dan = schwarzer Gürtel

6. Dan - 8. Dan = rot-weißer Gürtel

9. Dan - 10. Dan = roter Gürtel



Zitat
Im Randori lehren wir den Schüler, dass er um den Sieg über einen wild erregten Gegner zu erringen, ihm nicht mit aller Kraft Widerstand entgegensetzen soll, sondern, dass er so lange mit ihm spielt, bis seine Wut verraucht ist.

Training

Allgemeines

Zum Training zieht die/der Judoka eine weiße Jacke und Hose aus Baumwolle (Gi) an. Zusammengehalten wird sie/er mit einem dem Leistungsstand entsprechend farbigen

Gürtel. Um Verletzungen beim Fallen zu vermeiden, wird Judo auf speziellen Matten (Tatami) geübt. Die Matten sollten sauber gehalten werden, d.h. außerhalb der Matte

z.B. Badeschluppen tragen und ansonsten auf eine entsprechende Fußhygiene achten. Sollte man lange Haare haben, ist es am besten, sie mit einem Haarband zusammenzubinden.

Begrüßung

Das Training beginnt und endet mit einem Begrüßungsritual. Vom Kniesitz aus verneigen sich SchülerInnen und MeisterInnen voreinander. Als Mindestform wird der Befehl Rei gesagt. Jedoch ist auch hier das Begrüßungsritual von Dojo zu Dojo unterschiedlich. Auch verneigt man sich vor Übungsbeginn und am Ende vor der Partner(in). Diese Form wird im Stehen ausgeführt.

Das Üben

Nach einer funktionalen Aufwärmgymnastik wird die Fallschule geübt. Sie ist elementar, da nur durch das gute Beherrschen des Fallens Verletzungen vorgebeugt werden kann,

die als Folge eines Wurfes entstehen können. Auch wird man erst durch das sichere Beherrschen des Fallens frei für das Anwenden eigener Techniken.

I.d.R. folgt dann das Üben der Grundtechniken. Sie werden in hoher Wiederholungszahl durchgeführt. Dabei steht nicht das Werfen der Partner(in) im Vordergrund, sondern das

technisch richtige hineingehen in den Wurf bis zum Brechen des Gleichgewichts (Kuzushi). Übungsserien könnten z.B. so aussehen: 9x Wurfansatz, beim 10.x die komplette

Wurfausführung.

Das Randori (freier Übungskampf) ist ein fester Bestandteil des Trainings. Hier kann die/der Judoka ihre erlernten Techniken ausprobieren. Je nach eigener Zielsetzung wird

es etwas spielerischer oder ernster (Wettkampfvorbereitung) betrieben. Judo ist ein Sport, der ein hohes an Maß an Kraft und Kondition erfordert. Auch wenn Judo oft mit Der sanfte Weg übersetzt wird, so kommt man doch ohne ein gewisses Maß an Krafteinsatz nicht weit. D.h. Liegestützen, Sit-Ups, Halsmuskeltraining (im Judo darf gewürgt werden) usw. Das bedeutet aber auch, dass man im Judo seinen Körper wunderbar ganzheitlich ausbilden kann. In den anderen von mir geübten Kampfsportarten habe ich nicht diese umfassende Beanspruchung aller Muskeln erlebt, wie im Judo.

Technik

Fallschule

Die Fallübungen werden in folgende drei Richtungen geübt: vorwärts, seitwärts, rückwärts. Dies entspricht in etwa den Wurfrichtungen, die einen beim Wurf erwarten. Wichtig

ist, dass man auf eine große Körperfläche fällt und nicht etwa auf Eckpunkte des Körpers, wie z.B. Schulter, Knie, Ellenbogen oder gar Kopf. Eine große Fläche kann

den Aufprall gut absorbieren. Zur Stabilisierung und zum Abfangen des Aufpralls, führt die Judoka einen federnden Abschlag mit dem Arm durch. Dies erzeugt einen lauten

Knall, der Außenstehenden manchmal einen Schrecken einjagt, aber i.d.R. nur ein Zeichen dafür ist, dass man seine Fallenergie gut abgefangen hat. Daher sollte das richtige

Abschlagen auch als erstes geübt werden. Beim Rückwärtsfall rollt man über seinen Rücken. Man kann den Fall kurz vor der Streckung mit dem Abschlagen beenden, oder aber man rollt entsprechend über die linke oder rechte Schulter weiter, um dann wieder auf seinen Füßen zu stehen. Die Vorwärtsfallübung hat Ähnlichkeit mit einem Purzelbaum. Der Unterschied besteht darin, dass entweder das linke oder rechte Bein vorsteht. Der seitengleiche Arm wird ebenfalls nach vorne genommen und leicht gebeugt. Beide Hände liegen auf der Matte auf. Sind linker Arm und linkes Bein vorne, legt man den Kopf auf die rechte Schulter und rollt diagonal über den Rücken ab. Mit genug Schwung kann man so wieder direkt in den Stand gelangen. Der Seitwärtsfall wird zuerst aus der Hocke und dann aus dem Stand geübt. Dabei wird z.B. das linke Bein nach vorne rechts gebracht. Gleichzeitig lässt man sich auf der Stelle herabsinken und rollt über die linke Gesäßhälfte nach links ab. Auch hier ist wieder auf das korrekte Abschlagen zu achten. Das Fallen wird immer mehr verfeinert, freier Fall mit und ohne Partner(in), rückwärts und seitwärts Fallen über eine/n Partner(in) usw. Wichtig ist hier die Automatisierung. Wenn ich mit einem rasanten Wurf geworfen werde, kann ich nicht mehr überlegen, wie meine Landung am besten aussehen soll.

Würfe (Nage - Waza)

1. Es gibt 40 Grundwürfe, die entsprechend den Kyu-Graden in 8 Stufen aufgeteilt sind. Sie sind in der so genannten Go-Kyo zusammengefasst. Die Würfe unterteilen

sich in Hüftwürfe, Handwürfe, Schulterwürfe, Fußfeger, Beinwürfe und Opferwürfe. Beim letzteren opfere ich mein eigenes Gleichgewicht, um das Gleichgewicht

des/der Partner(in) brechen zu können. Dies sind meistens recht harte Würfe, da ich den Fall meines/r Partners/in nicht mehr so gut kontrollieren kann,

weil ich mich selbst in eine Fallbewegung gebracht habe. Die Art der Würfe sind den höheren Schülergraden vorbehalten.

Kata

Bei einer Kata werden die Techniken in einer festgeschriebenen Form vorgeführt. Die Judokas begeben sich nach jeder Aktion wieder auf ihren Platz. In einer Kata sind die

Prinzipien des Judos am besten zu erkennen.

Griffe

Bis auf wenige Ausnahmen werden alle Griffe in der Bodenlage durchgeführt. Haltegriffe (Osae-Komi-Waza): Der/die Partner(in) wird auf dem Rücken liegend festgehalten.

Er/sie darf uns selbst aber nicht so halten, dass wir nicht aufstehen können. Wir dürfen nicht zwischen seinen/ihren Beinen eingeklemmt sein, es darf nicht eines

unserer Beine geklammert werden. Dann gilt der Haltegriff als gelöst. Wenn es mir gelingt, meine/n Partner(in) 30 Sekunden lang zu halten, habe ich gewonnen. Die Haltegriffe

am Boden sind elementar, da durch sie die meisten Kämpfe entschieden werden. Armhebel (Kansetsu-Waza): Beim Armhebel wird das Ellenbogengelenk gedreht oder

überstreckt. Die Anwendungen der Hebel wurden auf das Ellenbogengelenk beschränkt, da hier der Schmerz rechtzeitig vor der Schädigung eintritt. Der/die gehebelte

Partner(in) kann bei Schmerzeintritt seine/ihre Aufgabe mit einem lauten "Stopp" oder durch das Abschlagen auf de Matte, noch besser an dem/der PartnerI, signalisieren.

Tori hat hier eine große Verantwortung für Uke. Auch im wildestem Bodenrandori sollte ein Hebeln mit bedacht durchgeführt werden.

Würgegriffe (Shime-Waza): Dies hört sich so an, als wenn Judo ein lebensgefährlicher Sport wäre. Dem ist aber nicht so. Bei richtiger Durchführung sind Würgegriffe absolut

ungefährlich. Die Techniken werden so angesetzt, dass der Kehlkopf keinen Schaden erleidet. Gewürgt wird mit dem Kragen der Judojacke, dem Schienenbein oder mit den

Unterarmen. Die Angriffspunkte am Hals liegen seitlich. Entweder wird die Luftzufuhr unterhalb des Kehlkopfes unterbrochen (unangenehm) oder aber die Arterien und Venen

werden seitlich des Halses abgedrückt (schon angenehmer). Das Rufen eines "Stopps" entfällt hier aus verständlichen Gründen. Ich favorisiere immer das Abschlagen

an dem/der Partner(in), da sie es so nicht überhören kann. Kindern ist das Würgen bis zum 14. Lebensjahr verboten.

Was ist Judo ?

Judo ist für jeden Menschen etwas anderes. Für den einen macht es einfach nur Spaß, für den anderen ist es ein Sport, für den nächsten ein Fitness-Programm oder ein

Treff mit anderen Menschen, manche sehen es als Selbstverteidigungstraining und für einige ist es der Weg des Lebens. Doch im Grunde ist es alles das zusammen.

Judo ist wie Ringen, Boxen und Karate eine Kampfsportart. Sie wurde in Japan von Jigoro Kano entwickelt und 1882 offiziell eingeführt. Kano entfernte aus dem alten

Selbstverteidungssystem Jujutsu alle gefährlichen Techniken wie Schläge und Tritte. Er legte bei der Entwicklung des Judo großen Wert auf die geistige und moralische Erziehung des Menschen. Judo bedeutet soviel wie "Weg der Sanftheit, des Nachgebens" und beruht auf den Thesen der "wirksamsten Anwendung der Kraft" und der "wechselseitigen Glückseligkeit". Dabei bedeutet die erste These, dass ein Gegner mit mehr Kraft als man selbst, durch die Ausnutzung von dessen Kraft (ausweichen, ... ), dessen schwachen Körperstellen (Hals, ...) und bestimmten Hebelverhältnissen ( Beinkraft gegen Armkraft, ... ) besiegt wird. Das zweite Prinzip drückt das moralische Prinzip des Judo aus. Es beinhaltet, dass Partner und Freunde miteinander kämpfen können, ohne sich zu verletzen und so das Wesen des Kampfes erlernen, einander Respekt und Achtung erweisen und sich gegenseitig helfen ein Ziel schneller zu erreichen. Die Technik des Judo beinhaltet ungefähr 40 verschiedene Würfe, die meist über Hüfte und Schulter

ausgeführt werden. Dazu kommen noch einige Armhebel, Würgen und Festhalten die für den Kampf am Boden entwickelt wurden. Da Judo einerseits die körperlichen Fähigkeiten

des Menschen wie das Bewegungsgefühl, den Gleichgewichtssinn und die Muskulatur, andererseits aber auch die geistigen Fähigkeiten wie Selbstdisziplin, Respekt,

Konzentration entwickelt, ist es für Menschen jeden Alters und Geschlechtes geeignet. Heute beschreiten Millionen von Menschen in der ganzen Welt diesen "sanften Weg".